Die Sage vom „Sechs böse Bubenstein“

Das dritte Wahr-Zeichen zeiget man vor dem Ober-Thore an einem Scheun-Thore; daselbst siehet man in einen Stein gehauen 6. Manns-Personen, welche auf ihren Leibern und Gesichtern liegen auf bloßer Erden, und zwar in einem Creyße herum, mit denen Füßen alle nebeneinander treffend, und in der Mitten einen Raum mit Charactern bezeichnet. Die Geschichte hievon soll diese seyn: Ein Bürger hiesigen Orts mit Nahmen Johann Richter, ein Kupferschmied, als er im vorigen Seculo auf der Wanderschaft ist, geräth er unter eine böse Gesellschaft zu Praga in Böhmen, welche um Teufels-Künste zu erlernen auf einen Creutz-Weg sich begeben, und nach oben beschriebener Figur sich mit ihren Leibern und Gesichtern auf die Erde legen, und das Verlangte erwarten; Dieser Johann Richter aber williget nicht mit ein, sondern gehet davon; Nach der Zeit erkennet er, daß diese Gesellen allerley Künste an den Tag geben, und was andern nicht müglich gewesen, ist bey ihnen müglich worden, und so mehr; es geschiehet aber, und erfähret dieser Richter, daß einer nach dem andern schändlich ums Leben gekommen, und nach anderthalben Jahren keiner mehr von diesen allen am Leben ist. Dafür er dann den grossen Gott vielmahl gedanket, daß er ihn von dieser Gesellschaft geholfen, und läßt diese böse Geschichte zum Gedächtniß und Wahr-Zeichen in Stein einhauen.

Die Sage vom „Sechs böse Bubenstein“

Wassermarie,
04703 Leisnig,
Deutschland