Vom Freiberger Bauerhasen

 

Bei dieser Geschichte vom Freiberger Bauerhasen handelt es sich um eine Legende, für die es keine historischen Belege gibt. Markgraf Friedrich der Freidige oder auch Friedrich mit der gebissenen Wange (1257-1323) hielt sich oft und gern in Freiberg auf. Einst gab er auf der Burg Freiheitsstein (heute Freudenstein) ein großes Gastmahl, zu dem viele weltliche und geistliche Herren eingeladen waren. Unter ihnen befand sich auch der Freiberger Klosterabt Bruno. Dieser Mann hielt viel vom Essen und Trinken und trug einen gewaltigen Schmerbauch vor sich her. Und doch predigte er oft gegen Unmäßigkeit und behauptete, je mehr ein Mensch fastete, desto eher komme er ins Himmelreich. Auch bei diesem Festmahle hatte er schon reichlich gezecht. Sein speckfettes Antlitz glänzte wie der aufgehende Vollmond und seine Augen wurden immer kleiner, je mehr Weinhumpen er leerte.
Als Mitternacht vorüber war, setzte der Hofkoch namens Bauer einen angenehm duftenden Hasenbraten auf die Tafel. Schon wollte der Markgraf sich ein Stück auf den Teller legen, da rief der Abt ihm zu: „Durchlaucht, halten zu Gnaden, jetzt ist soeben ein Fasttag angebrochen, und Ihr wollt Euch doch gewiss nicht versündigen!“ „Wäre denn wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluss noch ein Stück Hasenbraten zu uns nähmen?“ „Ganz gewiss, ich kenne keine größere Sünde! Nehmt Euch ein Beispiel an mir! Schon seit einer halben Stunde habe ich keinen Bissen mehr gegessen!“ Alle sahen den geistlichen wohlgenährten Herrn mit großen Augen an, schwiegen aber, und der Koch musste den schönen Braten wieder abtragen, den er dann selbst und ohne Gewissensbisse gemütlich mit seinen Leuten zu sich nahm.
Aber er ärgerte sich nicht wenig über den eifernden Sittenprediger, den eine Stunde später sechs handfeste Diener in seinen Wagen tragen mussten, und er beschloss, sich für seinen zurückgewiesenen Hasenbraten bei passender Gelegenheit am gestrengen Herrn Abt zu rächen.
Bei einem späteren Gastmahl auf der Burg traf es sich nun, dass abermals ein Fastentag folgte, und jetzt brachte nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten auf die Tafel.
Da konnte sich der Abt kaum fassen, dem sündhaften Koch eine schwere Strafpredigt zu halten: dass er den Fastentag nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel setze. Er erglühte vor Zorn, als er sah, dass der Koch noch dazu behaglich lächelte. „Nun“, rief Bauer aus, „das ist ein Hase, den jeder Christ am Fastentag essen darf!“ Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf den Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen gemerkt, dass der scheinbar wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck war in Form eines Hasen.
Da wollte der Strafprediger endlich selbst nach dem Gericht langen. Er erhob sich, verlor aber bei seinem schweren Kopfe das Gleichgewicht und riss dabei alles mit sich herab von der Tafel. Er war auch nicht imstande, sich wieder aus dem Wirrsal um ihn her zu erheben, was erst geschehen konnte, nachdem die Diener ihm halfen.
Der Hase Bauers hatte dem Festmahl ein bedauerliches Ende gemacht, allein das Gebäck erhielt einen berühmten Namen, denn alle wollten nun in der Fastenzeit „Bauerhasen“ essen, und selbst in den Klöstern durfte das Gebäck nicht mehr fehlen.
Übrigens … in der Konditorei Hartmann wird der Bauerhase noch immer nach alten Rezepten gebacken und zum Verkauf angeboten.

 

Vom Freiberger Bauerhasen

Konditorei & Café Hartmann
Petersstraße 1A,
09599 Freiberg,
Deutschland