Die Leisniger Distanzsäule

 

Im Auftrage Kurfürst August des Starken hat der frühere Pfarrer Adam Friedrich Zirner aus Skassa bei Großenhain die Straßen Kursachsens mit seinem geometrischen Wagen, auch Meilenkarren genannt, vermessen. Nach der Vermessung mußten Ganz- und Halbmeilensäulen sowie Viertelmeilensteine entlang der betreffenden Straßen von den jeweiligen Ortschaften gesetzt werden. Die Städte mußten Distanzsäulen errichten. So erhielt Leisnig 1727 eine Distanzsäule aus Porphyr, nachdem Zürner 1724 hier gewesen war. Der Bildhauer David Seydel hat sie geschaffen. Sie ist die einzige, die im Kreis Döbeln nach vorhanden ist. Die Entfernungen von Leisnig aus sind in Stunden angegeben. Eine Stunde entspricht einer halben sächsischen Meile, d. h. rund 4,5 km.
Die Distanzsäule stand ursprünglich auf dem Markt in der  Nähe des Obertoresund wurde 1826 vor das Obertorauf den jetzigen Lindenplatz versetzt, wo sie noch heute steht. Im Jahre 1798 war sie schon einmal restauriert worden, ebenso zum Heimatfest 1957. In jüngster Zeit, im April 1989, wurde ein neues Oberteil mit den ursprünglichen Angaben und Verzierungen aufgesetzt. Der Steinsetzmeister Wilfried Hoffmann hat dieses Oberteil originalgetreu nachgebildet. Das alte Oberteil befindet sich im Kreismuseum auf der Burg Mildenstein. Interessant sind die Wappen oberhalb der Entfernungsangaben. August der Starke führte als König von Polen und Kurfürst von Sachsen beide Wappen. So sieht man jeweils
links das polnisch-litauische Wappen, nämlich den polnischen Adlerund denlitauischen Reiter mit silbernem Panzer und Schwert und rechts das kursächsische, bestehend aus Kurschwerter- und Rautenkranzwappen. Auf dem Reichstag zu Metz (Lothringen) im Jahre 1356 war unter Vorsitz Kaiser Karl IV., zugleich König von Böhmen (aus dem Hause Luxemburg) endgültig beschlossen worden, wie es in der „Goldenen Bulle“, dem Reichsgrundgesetz heißt, daß die Herzöge von Sachsen Kurfürsten (kur = küren = wählen) und somit Mitglieder des Wahlkollegiums für die Königs-bzw. Kaiserwahl des Deutschen Reiches (bzw. des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation) sind und diese ferner das Erzamt des Marschalls haben. Daher durften nur die sächsischen Kurfürsten die gekreuzten Schwerter im Wappen führen. Immerhin hatten sie dieses Amt bis zur Auflösung des Deutschen Reiches durch Napoleon im ]ahre 1806 inne. Das Rautenkranzwappen ist das alte sächsische Wappen, das bereits die Herzöge von Sachsen-Wittenberg aus dem Geschlecht der Askanier führten. Die Wettiner erhielten 1423 nach dem Erlöschen des Geschlechtes der Askanier die Kurwürde und übernahmen das Rautenkranzwappen. Beide Wappenkombinationen werden auf der Distanzsäule bekrönt durch die polnische Königskrone und nicht durch den Kurfürstenhut, der sich sonst über dem kursächsischen Wappen befindet. Unter dem Wappen sieht man die Initialen August des Starken: AR = Augustus Rex (= August König).

Leisniger Distanzsäule

Lindenpl., 04703 Leisnig