Der Judenborn zu Sayda

Zum schnellen Aufschwung Oederans trug das nahe Freiberg mit seinem Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter, deren Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde zu dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im jetzigen Rathause hatte, der Makler und Gläubiger. Denn er lieferte die Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster, wo das Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht wurde, woraus man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die Unterstützung der Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener Jude und einige Mönche (es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit einem starken Silbertransport über Sayda nach Böhmen. Der Transport folgte der Salzstraße, die von Halle über Oederan und Sayda nach Prag führte. 
Die verbitterten Oederaner schlichen ihnen bis Sayda nach, vereinigten sich dort mit den Bewohnern und besonders mit der Besatzung der dortigen Burg, die noch im Dienst des böhmischen Königs Ottokar stand und überfielen und plünderten die ungetreuen Haushalter, schlugen den Juden tot und warfen ihn in einen Brunnen, welcher deshalb der Judenbrunnen genannt wurde. Der Judenbrunnen zu Sayda solle sich in den „Flecken“ befunden haben.
Nach einer anderen Überlieferung wird berichtet, dass dieser Brunnen in den „Flecken“ als unberührtes Wasser aus dem Berge kam. Es war so rein, dass es Juden erlaubt war, das Wasser zu trinken. In den „Flecken“ befanden sich damals die Gemüsegärten und Fischteiche der Burg, die für die Versorgung der Bewohner dienten. Sie wurden durch das reine Wasser des Brunnens gespeist. Da viele Händler, die die Salzstraße von Halle nach Prag nutzten Juden waren, konnten damals die Bewohner ihnen Quartier und Speisen bieten. Dadurch entwickelte sich zu dieser Zeit eine Ausspann- und Raststation an der Salzstraße. Der sogenannte Judenbrunnen war die Gewähr, dass die Händler den Ort nahe der Schutzburg in ihre Wegplanung aufnahmen.
1207 ist die erste urkundliche Erwähnung von Sayda im Kloster Osek (Ossegg), Böhmen, die ersten Namen Zavidowe, Saidowe oder Saydow. Das Gebiet steht unter der Herrschaft des böhmischen Königs Ottokar. 1289 macht Markgraf Friedrich von Meißen an König Wenzel II. von Böhmen über das „Castrum et civitatem Seydowe“, (Burg mit Feste) ein Kaufangebot, welches er 1307 erwirbt.

Der Judenborn zu Sayda

Am Markt
09619 Sayda