Der geheime Fluchtweg

Zu Zeiten der Belagerung —so weiß der Volksmund zu berichten —benutzten Kuriere oder, in großer Bedrängnis, auch die Bewohner als letzten Notausgang einen unterirdischen Fluchtweg, der angeblich in dem sehr tiefen Brunnen im inneren Schlosshof seinen Anfang nahm. Die Leute wurden in einem ledernen Kübel hinabgelassen. In einiger Höhe über dem Wasserspiegel befand sich der Einstieg zu dem Gang, der schließlich außerhalb der Burg im dichten Gestrüpp des Auenwaldes endete.
Im letzten Jahrhundert wurde beim Ableuchten des Brunnenschachtes mit einer speziellen Bogenlampe knapp über dem Wasserspiegel in der Seitenwand des Brunnens tatsächlich eine mehr als mannshohe Einbuchtung entdeckt. Ob es sich dabei aber wirklich um den Ausgangspunkt des vielbestrittenen Notschachtes handelt, blieb unbeantwortet.
Neuere Untersuchungen der Brunnenwände ergaben, dass die Ausbuchtungen von den Brunnenbauern zur Verbesserung der Wasserqualität in den Fels gehauen worden sind.
Bei der Ausbesserung eines tatsächlich vorhandenen unterirdischen Labyrinths seitwärts der Burg wurde auch kein mit ihr verbundener Gang entdeckt.
Dieses Kellerlabyrinth ist ähnlich angelegt wie die Peniger „Kellerberggänge“ und die Glauchauer Anla-gen.
Vermutlich dienten sie bei feindlichen Einfällen den Bewohnern des Ortes, die nicht zum unmittelbaren Gefolge der Burg gehörten, als Unterschlupf und Ver-steck und wurden auch zur Vorratshaltung genutzt.