Der Meineidbauer von Pappendorf

Im Jahre 1627 lebte in Pappendorf ein Bauer mit Namen Matthes Becker. Er besaß das zweitgrößte Gut, in seinen Truhen lag manches Säckchen mit blanken Talern; ja, auch schwere Rollen mit Goldstücken zeugten von der Wohlhabenheit ihres Besitzers. Doch wohnte in seinem Hause der Geiz. Becker nahm lieber, als dass er etwas gab.
Nun lag hart an der Grenze gleich an der Striegis ein kleines Wiesenflecklein, so groß wie eine Stube, das immer sein Nachbar Christof Dehne, ein ehrlicher, redlicher Mann, gehauen. Als er wieder seine Sense dort wetzte, kam Becker hinzu und sprach: „Nachbar, dieses Stücklein Wiese ist mein. Mein Vater selig hat mir’s auf dem Sterbebett gesagt. Ich hab dir’s bis jetzt gelassen, doch werd ich´s nun selbst nehmen.“ Darob war Dehne ganz erstaunt, denn er kannte die Wiese nicht anders als zu seinem Gute gehörig.
Was half aber alles Reden? Ein Grenzstein wurde nicht gefunden. Man stritt und stritt und die Sache ging ans Gericht nach Nossen. Auch dort wurde keine Einigkeit erzielt. Also kam der Amtsschösser, Matthäus Horn, selbst nach Pappendorf, um mit dem Erbrichter und dem Geistlichen an Ort und Stelle das Urteil zu sprechen.
Auf der Streitwiese tagte das Gericht. Becker lachte schlau und tat, ehe er dort hinging, aus seinem Gärtchen etwas Erde in seine Stiefeln und zog sie an.
Eine Einigung kam nicht zustande, wie auch Erbrichter und Geistlicher Beckern zuredeten, denn sie kannten ihn als einen gar geizigen, seinen Nachbarn als einen braven, ehrsamen Mann. Nichts half. Becker behauptete, das Stück Wiese sei sein Eigentum. „Da muss der Schwur entscheiden!“ sagte endlich der Amtmann.
Rasch trat Becker vor, legte die Hand aufs Kruzifix und sprach mit gehobener Stimme: „Ich schwöre, dass ich auf eigenem Boden stehe!“ „So nimm´s hin und lass dir´s auf der Seele brennen!“, rief Dehne ergrimmt und verließ das Gericht. Becker bekam die Wiese zugesprochen.
Zwar lachte er heimlich, als er zu Hause seine Stiefel ausschüttete, aber niemand im Dorf war ihm mehr freundlich gesinnt. Ahnten doch alle, dass er aus Geiz einen Falscheid geleistet hatte.
Ihm selbst brannte der Schwur auf der Seele. Nachts fand er keine Ruhe, am Tage hatte er keinen frohen Gedanken. Am 28. August des nächsten Jahres wurde er, nur mit einem Hemd bekleidet, unter dem blauen Steine in der Striegis ertrunken aufgefunden.
List und Schlauheit, sagt der Chronist, beruhigen ein böses Gewissen nicht. 47.