Nicht weit von Schmalbach (im nördlichen Teil von Reichenbach) hart am Zellwaldrande liegt einsam im Getann ein tiefer Teich. Steil bricht das Ufer ab und eine Insel erhebt sich mitten aus dem schwarzen Wasser, des klaren Spiegel keine Unruh trübt. Den Zellwaldteich nennt ihn das Volk seit alters, und führt der Weg zur Nachtzeit dran vorbei, so überläuft ein Gruseln Wandrers Rücken. Denn in der schwarzen Tiefe wohnt ein Nix, den einst der Christengott vom Niederland verjagte, und der Zuflucht fand im Zellwald. Hier schaut er nie ein Kreuz, hier tönen keine Glocken. Denn Glockenlaut zerstört das Heidentum.

Er wohnt in keinem allzu großen Schlosse, doch ist’s aus reinlichem Kristall gefügt, durchsichtig ist die Wand und weitet alle Räume. Auf einer Ruhestatt, die schimmernd Muscheln umkränzen, grüne Binsen polstern und gar manche Zier aus Edelstein und Perlen schmückt, träumt des Tages über jener Nix. Nur in der Vollmondnacht, wenn weiß das Nachtgestirn durch Tann und Fichte schaut, da taucht des Nixen greises Haupt empor. Das Haar umhüllt mit einem grünen Kranze hebt er zur Insel sich und stimmt die Leier. Dann gleiten seine Finger auf und ab und lockend tönt des Nöcken volle Stimme wie Wellenmurmeln zwischen Fels und Stein, wie Silberblasen glucksen aus der Quelle, wie Blumenhauch und Waldesvogelzwitschern, wie Kinderlachen und des Herzens Schlag. Ei, sieh, lebendig wird das schwarze Wasser, es tauchen sieben blonde Köpfe auf, und weiße Leiber schwimmen helle Kreise, die Nixentöchter fassen sich zum Reihn. Kaum trifft der Fuß die mondscheinhelle Welle, kaum sichtbar weht das silberblaue Kleid. Es schwebt und schwingt fast schattengleich der Reigen, und zu des Nixen voller Stimme klingt leis’, aber goldesrein der Töchter Singen. Nur eine Stunde währt der Geister Lust, dann packt es sie grad wie mit tausend Armen, und ob’s im Angesicht auch schmerzlich zuckt, der Sang verhallt, die Nixen tauchen unter und glatt und totenstill liegt das Gewässer.

So mancher Fuhrmann, der mit vollem Wagen gen Freiberg fuhr, der hat den lockend leisen Gesang vernommen. Und er schlug ein Kreuz und trieb die Pferde mit der Peitsche an“.

Red. Anmerkung zu den örtlichen Gegebenheiten: Die Straße von Roßwein nach Freiberg war in vergangenen Zeiten eine wirtschaftlich wichtige Verbindung zwischen beiden Orten. Die Straßenführungen durch den Zellwald von einst und jetzt waren verschieden. Es gibt Hinweise dafür, dass früher die Straße von der ehemaligen Gaststätte „Goldener Hirsch“ linker Hand von der jetzigen Straße am o.g. Zellwaldteich vorbei führte, das Aschbachtal über eine noch bestehende Natursteinbrücke (in der Nähe des ehemaligen Naturbades) querte und durch eine mittels Knüppeldamm befestigte Furt das obere Niveau des Zellwaldes erreichte.

Quelle: Sagenhaftes Mittelsachsen, Modellprojekt 2017; Fördergesellschaft Regio Döbeln e.V.
Quelle: Sagenhaftes Mittelsachsen, Modellprojekt 2017; Fördergesellschaft Regio Döbeln e.V.

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